Ein Kind baut mit seinen Holzklötzen Mauern statt Türme, Grenzschützer sehen zu, wie ein junger Mann verblutet: Ein neuer Multimedia-Stadtführer erzählt mit Bildern, Filmen und Tönen die Geschichte der Berliner Mauer.
Blonde Locken, ein Maschinengewehr. Menschen schreien. Ein Boot macht Jagd auf zwei Flüchtlinge, die durch die Spree in den Westen schwimmen wollen. Die DDR-Grenzer laden ihre Waffen.
Aber keiner schießt.
Es ist eine Reise durch die Zeit, hier am Spreeufer, gleich hinter dem Reichstag. Auf einem handtellergroßen Bildschirm laufen Fernsehbilder einer Flucht aus der DDR ab. Heute, im Frühling 2008, flanieren zwei ältere Damen am Fluss entlang, die Stimme eines Reiseführers dröhnt durch die Lautsprecher eines vorbeifahrenden Ausflugsboots. Nur einige weiße Kreuze am Flussufer erinnern an Zeiten, in denen hier an der Spree die Grenze zwischen zwei Welten verlief.
Die Stelle hinter dem Reichstag ist eine von mehr als 20 Stationen entlang des ursprünglichen Mauerverlaufs. An jedem dieser Punkte soll der elektronische Stadtführer Mauerguide Touristen vor Augen führen, was die Mauer für Berlin und seine Bewohner bedeutet hat. Die Mauer soll dadurch lebendig werden - in ihrem Schrecken, aber auch in ihrer Alltäglichkeit für viele Menschen.
Die Filmsequenz auf dem Display läuft weiter. Im Westen angekommen, gibt einer der beiden Flüchtlinge ein Interview: "Ich wusste, wenn ich aufs Boot gehe, ist es aus." Die junge, blondgelockte Frau holt kaum Atem beim Erzählen. "Dann hat einer am Ufer meine Hand genommen und gesagt: Die Hand ist schon im Westen! Er hat mich rausgezogen und dann sind sie mit mir gerannt."
Nicht immer gingen die Fluchtversuche so glücklich aus. Der Tod des 18-jährigen Peter Fechter trieb 1962 wütende Westberliner auf die Straße. Sie waren entsetzt über den Vorfall. Der Maurergeselle wurde vor den Augen etlicher Zeugen von DDR-Grenzern niedergeschossen. Er schrie um Hilfe - aber niemand kam. Weder die amerikanischen Soldaten, die vom Checkpoint Charlie aus das Geschehen beobachteten, noch die Polizisten auf Westseite oder die DDR-Grenzer. Peter Fechter verblutete.
Auch seine Geschichte wird vom Mauerguide erzählt. Vom 1. Mai an kann der handliche Computer an fünf Stellen in Berlin ausgeliehen werden. Per GPS wird der Benutzer entlang der Mauerreste zu zentralen Erinnerungspunkten geleitet. An den verschiedenen Orten können Fotos, Fernsehbildern und Berichte von Zeitzeugen abgerufen werden.
Die Mauerguide-Team traf auch Angehörige von Menschen, die ihren Fluchtversuch mit dem Leben bezahlten. Manche von ihnen waren dankbar über die Möglichkeit, die Erinnerungen an die Getöteten der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Doch nicht alle Gesprächspartner sahen in der Interviewanfrage eine solche Chance, erzählt Eva Wesemann, die das Projekt inhaltlich betreut hat: "Es gab zum Beispiel eine Dame, die Mutter eines auf der Flucht zu Tode gekommenen Jungen, die das Interview wieder abgesagt hat - sie wollte sich der Situation nicht stellen. Sie hatte Angst, nächtelang nicht schlafen zu können, wenn sie über das Geschehene spricht."
Auf der zweiten Seite: Worüber die Experten gestaunt haben und wo man den Mauerguide ausleihen kann.
Nicht immer gingen die Fluchtversuche so glücklich aus. Der Tod des 18-jährigen Peter Fechter trieb 1962 wütende Westberliner auf die Straße. Sie waren entsetzt über den Vorfall. Der Maurergeselle wurde vor den Augen etlicher Zeugen von DDR-Grenzern niedergeschossen. Er schrie um Hilfe - aber niemand kam. Weder die amerikanischen Soldaten, die vom Checkpoint Charlie aus das Geschehen beobachteten, noch die Polizisten auf Westseite oder die DDR-Grenzer. Peter Fechter verblutete.
Auch seine Geschichte wird vom Mauerguide erzählt. Vom 1. Mai an kann der handliche Computer an fünf Stellen in Berlin ausgeliehen werden. Per GPS wird der Benutzer entlang der Mauerreste zu zentralen Erinnerungspunkten geleitet. An den verschiedenen Orten können Fotos, Fernsehbildern und Berichte von Zeitzeugen abgerufen werden.
Die Mauerguide-Team traf auch Angehörige von Menschen, die ihren Fluchtversuch mit dem Leben bezahlten. Manche von ihnen waren dankbar über die Möglichkeit, die Erinnerungen an die Getöteten der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Doch nicht alle Gesprächspartner sahen in der Interviewanfrage eine solche Chance, erzählt Eva Wesemann, die das Projekt inhaltlich betreut hat: "Es gab zum Beispiel eine Dame, die Mutter eines auf der Flucht zu Tode gekommenen Jungen, die das Interview wieder abgesagt hat - sie wollte sich der Situation nicht stellen. Sie hatte Angst, nächtelang nicht schlafen zu können, wenn sie über das Geschehene spricht."
Auf der zweiten Seite: Worüber die Experten gestaunt haben und wo man den Mauerguide ausleihen kann.
29.04.2008
Doha, State of Qatar, 22 November 2008
London, October 2008
Brescia, 19 November 2008